Im Feldataler Ortsteil Zeilbach ist dieses Bild noch immer Realität. Surrende Antriebsbänder und rotierende Walzenstühle sorgen für ein ganz besonderes Erlebnis. Im Feldatal gibt es noch zwei funktionstüchtige Mühlen. Die Faust Mühle und die Queck Mühle. Beide sind in dem kleinen Ortsteil Zeilbach gelegen und befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Im Rahmen des Schmiedefestes werden die Türen der Queck-Mühle für interessierte Besucher geöffnet. Die Gäste können an diesem Tag eintauchen in eine längst vergessene Zeit und erleben, wie das Mehl vor hundert Jahren hergestellt wurde. Heute haben nur noch wenige Menschen eine Vorstellung von dem schweren und Mühseeligen Weg, wie ihn noch die Großeltern beschritten haben. Leicht ist heute der Gang in den Supermarkt, wo man einfach einen Pack Mehl in den Einkaufswagen legt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie das Mehl heute und vor 100 Jahren hergestellt wurde. Auch wenn sich heute im Prinzip am Verfahren nichts geändert hat, ist die sterile Massenproduktion in großen Betrieben nicht mehr zu vergleichen mit dem schon fast romantisch wirkenden Arbeitsablauf in einer „richtigen Mühle“. Die alte Queck Mühle in Zeilbach hat Ausstrahlung und schnell zieht die Apparatur den Gast in ihren Bann. Gerne denkt Hubert Völzing noch eine Kindheit zurück, als die Menschen vorbeikamen und sich das benötigte Brot zum Backen abgeholt haben. Die Queck Mühle wird heute nicht mehr im große Sinne benutzt, aber für den eigenen Gebrauch und für Freunde und Bekannte stellt der Besitzer Hubert Völzing immer noch eigenes Mehl her. Was Hubert Völzing dabei besonders reizt, ist der Weg vom eigenen Getreide, das er auf seinen Feldern anbaut, hin zum fertigen Brot. Hubert Völzing stellt nämlich nicht nur sein eigenen Mehl her, sondern backt in dem zur Mühle gehörenden Steinbackofen auch sein eigenes Brot. „Ich finde es toll zu gesamten Produktionszyklus selber abbilden zu können“, freut sich der Hobbylandwirt und Müller. Neben dem Betrieb seiner Mühle baut er auch sein Getreide selber an, hält sich seine eigenen Kühe und züchtet Schweine.
Im Gegensatz zu der benachbarten rund 400 Jahre alten Faust Mühle von Richard Liehr sieht es in der Queck Mühle von Hubert Völzing etwas moderner aus. Das Wasserrad wurde bereits vor 30 Jahren durch einen Turbinenantrieb ersetzt, der für die ideale Kraftübertragung sorgt. Bis dahin wurde die Mühle noch durch ein oberschächtiges Wasserrad aus dem Jahre 1904 angetrieben. Das alte Mühlrad war damals defekt und musste erneuert werden. Die Vorteile der Turbine waren damals zu deutlich, als dass man noch einmal für ein Mühlrad entscheiden konnte, weis der Müller zu berichten. Der Vorteil sei vor allem in der Drehzahlregulierung und auch in der Funktionsfähigkeit im Winter zu sehen. Ein weiterer Vorteil ist nach Angaben von Hubert Völzing die Tatsache, dass die Mühle dank ihrer Turbinen ihren eigenen Strom produzieren könne. Gerade in kalten Wintermonaten nutzt Hubert Völzing diese Möglichkeit zur Erzeugung von Wärme.
Über das Alter der Queckmühle kann nur gerätselt werden In den Aufzeichnungen der Gemeinde wird die Mühle zum ersten Mal im Jahre 1604 erwähnt. Aus den Kirchenbüchern Ober-Ohmen geht allerdings hervor, dass die Mühle bereits 1555 in Betrieb war. Bei der Werner`schen Mühle, der heutigen Queckmühle, handelte sich um eine Erbleihmühle der Freiherren Riedesel zu Eisenbach. Diese gehe aus der einzigen Erwähnung beim Staatsarchiv Darmstadt hervor, so Hubert Völzing. In den Besitz der Familie Völzing gelangte die Mühle im Jahr 1841. Die Vorbesitzer Heinrich und Ludwig Werner seien nach Amerika ausgewandert und hatten damals die Mühle an die Eheleute Queckbörner verkauft, die sie im Jahre 1846 an ihre Tochter Anna Maria und deren Bräutigam Konrad Völzing übertrugen.
Die Mühle besitzt noch immer ein voll funktionstüchtiges Innenleben, welches von dem Hobbymüller Hubert Völzing in regelmäßigen Abständen zum Leben erweckt wird. Eigentlich ist Hubert Völzing Krankenpfleger, seine Leidenschaft gehört aber nach wie vor der Landwirtschaft und seiner Mühle. „Für mich ist der Betrieb der Mühle ein Hobby, genau wie andere Menschen lieber angeln gehen“, berichtet Hubert Völzing. Die Begeisterung für die Mühle hat er von seinem Vater übernommen, der in der Vergangenheit immer dafür gesorgt hat, dass die Funktionstüchtigkeit gewahrt bleibe. Dadurch, dass die Mühle bis vor kurzen noch genutzt wurde, um für die Bevölkerung Mehl herzustelle, habe sein Vater Karl Völzing die Mühle regelmäßig auf den neusten Stand gebracht, weiß Hubert Völzing zu berichten. Der Mahlstuhl, das Herzstück der Mühle, stamme zum Beispiel aus dem Jahre 1952. Für Hubert Völzing ist es wichtig, dass die Mühle auch weiterhin funktionstüchtig erhalten bleibt. Die Tradition muss gewahrt werden und auch die Nachwelt muss sehen können, wie die Vorfahren ihr Mehl hergestellt haben. Man dürfe nicht vergessen, so Hubert Völzing, das es die klassischen Mühlen waren, welche die moderne industrielle Produktion eingeleitet hätten. Es nun schon rund 150 Jahre her, dass sich die Mühlen vom Mühlstein hin zu der eher maschinellen Einrichtung wie sie auch bei der Faust und der Queckmühle anzutreffen ist, gewandelt haben.
Der Vater von Hubert, Karl Völzing, freut sich sichtbar darüber, dass sein Sohn sich so für die Mühle einsetzt und sie erhält. Bedauerlich findet Karl Völzing es nur, dass die Mühle heute nicht mehr rentabel laufen könne. „Es fehlen einfach die Kunden“, stellte Karl Völzing fest. Während die Leute früher noch selber gebacken hätten und so Mehl benötigt hätten, werde das Brot heute von den Bäckern gekauft und die stellen sich in der Regel ein Mehlsilo auf den Hof, klagt Karl Völzing. Nach dem Krieg habe die Mühle ihren Höhepunkt erfahren, so der Müller. Flüchtlinge mussten versorgt werden und so stieg der Bedarf nach Mehl. Ab den 70er Jahren war der Bedarf nach Mehl dann rückläufig. Grund hierfür sei die Umstellung der Backstuben auf Silos, weg von Sackware gewesen, klagte Karl Völzing. Die letzten verbliebenen Mühlen haben heute noch mit weiteren Problemen zu kämpfen, so Hubert Völzing. Die Beschaffung von Ersatzteilen werde zunehmend zu einem Problem. Alleine zum Schärfen der Walzen müsse er inzwischen nach Gotha fahren, klagt Völzing. Von all diesen Unwegsamkeit lässt sich Hubert Völzing aber nicht von seiner Linie abbringen lassen und so wird die alte Mühle im Feldataler Ortsteil Zeilbach wohl auch in Zukunft noch einen Einblick in alte Zeiten gewähren.